Friedberg

Piktogramm Friedberg

Entstehung der Kaserne 1913

In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg erlebte Friedberg einen Boom, der sich in seiner Geschichte nicht mehr wiederholen sollte. In diesen Aufschwung hinein passte der Wunsch, Garnisonsstadt werden zu wollen, der vor allem in konservativen und liberalen Kreisen der Stadt gehegt wurde. Die beschauliche Beamtenstadt sollte durch das Militär aufgewertet werden, aber keinen gesellschaftlichen Umbruch erleben.

Die Heeresvergrößerung im wilhelminischen Deutschland von 1913 brachte auch Friedberg die ersehnte Garnison. Ein Bataillon des hessischen Infanterieregiments 168 zog in die alte Bergkaserne ein, die Hofreite des Helmoltschen Gutes westlich der Frankfurter Straße auf dem Wartberg. Die Stadt stellte bestes Ackerland für einen Kasernenneubau östlich der Frankfurter Straße zur Verfügung. Am Löwenhof, auf dem Gelände des heutigen Golfplatzes, entstand der Exerzierplatz und oberhalb Ockstadts, auf dem Gebiet des späteren Bundeswehrdepots, der Schießstand.

Die ersten Bauten entstanden im Stil der Neorenaissance. Mehrere zwei- und dreigeschossige Blöcke mit zum Teil ausgebautem Walmdach wurden um einen zentralen Platz gruppiert. Neben Gebäuden mit besonderen Funktionen wie Wache, Kommandantur, Kantine und Kasino wurden in erster Linie Mannschaftsunterkünfte errichtet. Als der Neubau im Herbst 1914 bezugsfertig war, befand sich das Bataillon aber bereits im Krieg. Bis 1918 wurde die Kaserne als Kriegsgefangenenlager für Offiziere benutzt.

Kaserne 1910er Jahre 1

1910er _ Kaserne _ 1910er

Kaserne 1910er Jahre 2

Deutsche Nutzung der Kaserne bis 1945

Die Abrüstungsauflagen des Versailler Vertrages und die militärfreie Zone 50 km um den Brückenkopf Mainz beendeten nach dem Krieg die Friedberger Militärträume. Die Kaserne lag nämlich innerhalb dieser Zone. Der neuen Kaserne drohte der Abriss. Die Stadt machte sich für die Einquartierung von hessischer Schutzpolizei stark, aber auf Einspruch der Alliierten musste diese nach Butzbach verlegt werden. Die Kaserne wurde Teil der Ingenieurschule, des Polytechnikums.

Die Nationalsozialisten betrieben ab 1933 eine konsequente Revision des Versailler Diktatfriedens, wie er damals genannt wurde, und belegten die Kaserne mit einer SA-Standarte und einer SA-Wehrsportschule, die aber nach dem so genannten Röhmputsch wieder aufgelöst wurde. Eine Zwischenverwendung brachte die Österreichische Legion, das heißt nach dem gescheiterten Naziputsch von 1934 geflüchtete österreichische Nationalsozialisten wurden in Friedberg kaserniert. Nach der Besetzung des Rheinlandes 1936, die das Ende der entmilitarisierten Zone bedeutete, reiften auch wieder Pläne, Friedberg mit Militär zu belegen. Die Stadt kündigte der SA das Gelände, für das Polytechnikum wurde in der heutigen Wilhelm-Leuschner-Straße ein Neubau errichtet.

Um wieder regulärer Truppenstandort der neuen Wehrmacht zu werden, stellte die Stadt abermals Gelände für die notwendige Erweiterung der Kaserne zur Verfügung. Das Heeresverpflegungsamt wurde gebaut, ein Wehrbezirkskommando kam in die Stadt und ein Bataillon sowie der Regimentsstab des Infanterieregiments 36 rückten im Frühjahr 1938 mit klingendem Spiel ein. Aber auch dieser Truppe sind kaum Friedensjahre in Friedberg vergönnt. Sie nimmt an der Besetzung des Sudetenlandes teil und steht seit Kriegsausbruch 1939 am Westwall. In der Garnison werden während des gesamten Krieges Ersatzbataillone aufgestellt und trainiert. Der Bombenkrieg, der vor allem Fauerbach furchtbar traf, hinterließ in der Kaserne kaum Schäden, so dass die Amerikaner 1945 größtenteils intakte Gebäude übernehmen konnten.

Kaserne 1930er Jahre 1

1930er _ Kaserne _ 1930er

Kaserne 1930er Jahre 2

Amerikanische Nutzung der Kaserne seit 1945

Anfangs hatten die US-Truppen den Auftrag, die deutsche Bevölkerung zu kontrollieren, zu entnazifizieren und zu demokratisieren. Im Laufe der ersten Nachkriegsjahre wurde der Mannschaftsstand systematisch abgebaut. Erst mit dem Koreakrieg 1950 befürchtete Washington auch in Europa eine Front und verstärkte seine Einheiten, darunter in Friedberg. Das V. Korps kam nach Frankfurt. Danach wurden die Einheiten im Rotationsverfahren nach Deutschland verlegt. Das Gerät blieb hier, die Einheiten wechselten. In dieser Phase leistete auch Elvis Presley von 1958 bis 1960 seinen Militärdienst in den "Ray Barracks".

Die nächste Aufstockung des Personals erfolgte nach dem Mauerbau, als der Kalte Krieg auf dem Höhepunkt war. Die Friedberger Garnison war fest eingebunden in die Strategie, die Warschauer Pakttruppen am Fulda Gap aufzuhalten. Ab 1989 erlebten die US-Streitkräfte wieder einen drastischen Abbau. Die Friedberger Truppen wurden nach Bosnien-Herzegowina verlegt und nahmen an beiden Golfkriegen teil.

Im Zuge der Konzentration der Truppen in Europa beschloss das Pentagon 2003 auch die Schließung des Friedberger Standortes noch in diesem Jahrzehnt. Ende September 2007 verließ der letzte Soldat die Kaserne. Die Übergabe der amerikanischen Wohnsiedlung an die deutschen Behörden fand am 18. September 2007 statt. Die Kaserne wurde am 31. Januar 2008 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben.

Kaserne 1950er Jahre

1950er _ Kaserne _ 1960er

Kaserne 1960er Jahre